Im Pfadfinderalter (13 bis 16 Jahre) entdecken die Jungen und Mädchen zunehmend ihre Einzigartigkeit, entwickeln ihr Selbstbewusstsein und streben nach Unabhängigkeit gegenüber Erwachsenen. Sie sind oft unsicher, verletzbar und fühlen sich manchmal von niemandem verstanden.
Ziele und Inhalte der Pfadfinderstufe Die Zeit in der Pfadfinderstufe soll im Trupp Rückhalt und Vertrauen geben. Auf dieser Basis können sie sich Pfadfinderinnen und Pfadfinder ausprobieren und dabei Wagnisse eingehen sowie Grenzerfahrungen machen. ‚Wagt es’ und die ‚Frankfurter Erklärung’ bieten ihnen und ihren Leiterinnen und Leitern dabei eine Orientierung. Der Trupp mit dem Leitungsteam unterstützt die einzelnen Mitglieder bei der Suche nach ihrem Lebensstil und der Entwicklung eigener Lebensentwürfe (Glaubens- und Sinnsuche). Zudem nimmt
 das Erleben der Gemeinschaft (im Trupp als auch im Verband) und das gemeinsame selbstbestimmte Handeln eine zentrale Rolle in der Pfadfinderstufe ein. Durch die Auseinandersetzung mit ihren Werten und den Geschehnissen in der Welt sowie durch altersgemäße Aktions- und Mitbestimmungsformen lernen die Truppmitglieder politisch zu handeln. Die Pfadfinderinnen und Pfadfinder bauen ihre Kenntnisse in den klassischen Pfadfindertechniken aus. Bei internationalen Begegnungen lernen die Pfadfinderinnen und Pfadfinder zudem, die Auseinandersetzung mit der eigenen und fremden Kultur zu intensivieren.
Leitungsverständnis der Pfadfinderstufe
Erwachsene Frauen und Männer leiten gemeinsam im Team ihren Pfadfindertrupp. Sie sind Vorbild im konstruktiven Umgang verschiedener Persönlichkeiten und Geschlechter miteinander. Sie sind dafür verantwortlich, dass der Trupp grundsätzlich handlungsfähig ist und verstehen sich als Impulsgeber für gemeinsames Handeln im Trupp, indem sie Anstöße geben, Werte hinterfragen, Interessen wecken und die Truppmitglieder ernst nehmen. Ziel muss es sein, dass der Trupp zum Handeln kommt. Sie ermöglichen durch gemeinsame Erlebnisse des Trupps die Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühls und beziehen alle Gruppenmitglieder mit ein.
Methoden und Strukturen der Pfadfinderstufe Die pfadfinderische Methode mit ihren vier Elementen findet in der Pfadfinderstufe ihre altersgemäße Ausprägung, indem gegenüber der Jungpfadfinderstufe der Anteil an Selbsterziehung der Jugendlichen zunimmt.
- Attraktive Programme: Für attraktive Programme steht in der Pfadfinderstufe das Zusammenspiel von Hikes und Zeltlagern, Projekten und anderen Aktivitäten im Gruppenalltag. Unternehmen sind die Projekte in der Pfadfinderstufe. Mit Hilfe der Projektmethode plant der Trupp seine Unternehmen, die durch gemeinsames eindrucksvolles Handeln und tiefe, unmittelbare Erlebnisse gekennzeichnet sind.
- Learning by doing: Die Reflexion des gemeinsamen Handelns in der Runde oder im Trupp ermöglicht den Pfadfinderinnen und Pfadfindern ein Lernen durch Erfahrung. Voraussetzungen für eine offene und ehrliche Reflexion sind vertrauensvolle Beziehungen und der persönliche Bezug der Beteiligten zueinander. Die Einzelnen und die Gruppe nutzen die gewonnenen Erkenntnisse für ihr weiteres Handeln.
- Gesetz und Versprechen: Die Prinzipien, Grundorientierungen und Handlungsfelder des Verbandes und das „Gesetz der Pfadfinderinnen und Pfadfinder“ dienen zur Auseinandersetzung mit den persönlichen und pfadfinderischen Werten.
- Groß- und Kleingruppe: Der Trupp ist der entscheidende Handlungsraum in der Pfadfinderstufe. Er setzt sich aus mehreren Runden mit jeweils fünf bis neun Mitgliedern zusammen. Besteht der Trupp aus weniger als zehn Mitgliedern, werden keine festen Runden, sondern Interessensgruppen für bestimmte Aufgaben gebildet. In diesem Fall ist der Trupp die Bezugsgruppe.
Formen der Mitbestimmung
Die Mitglieder jeder Runde wählen einen Sprecher bzw. eine Sprecherin. Diese vertreten die Runde im Trupprat und bei anderen Angelegenheiten. Bei Trupps mit weniger als zehn Mitgliedern wird entsprechend eine Truppsprecherin bzw. ein Truppsprecher gewählt. Den Trupprat bilden die Rundensprecherinnen und Rundensprecher, gegebenenfalls zusätzlich ein wechselndes Mitglied jeder Runde sowie bis zu zwei Mitglieder des Leitungsteams. Der Trupprat hat die Aufgabe, die Arbeit des Trupps fortlaufend zu beraten, Planungsvorschläge der Runden zu koordinieren und Entscheidungsgrundlagen für den Trupp zu erarbeiten. Zur Truppversammlung gehören alle Mitglieder des Trupps einschließlich des Leitungsteams. Die Truppversammlung berät und beschließt in allen Angelegenheiten, die den ganzen Trupp betreffen. Alle Truppmitglieder entscheiden und wirken mit.
In der Vollversammlung können Pfadfinderinnen und Pfadfinder über den Stamm hinaus mitbestimmen. Die Mitglieder der Vollversammlung beraten und entscheiden über Stufenunternehmen und inhaltliche Fragen, die sie betreffen. Die jeweilige Stufenleitung legt zum einen fest, ob die Sprecherinnen und Sprecher der Runden bzw. Trupps oder alle Pfadfinderinnen und Pfadfinder der betroffenen Stämme eingeladen werden. Zum anderen entscheidet sie, wer Stimmrecht hat: die anwesenden Sprecherinnen und Sprecher oder alle anwesenden Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Leitungskräfte sind Gäste der Vollversammlung und können moderierende Aufgaben übernehmen.
WAGT ES-Orientierung der Pfadfinderstufe
- Wag es, das Leben zu lieben!

- Wag es, nach dem Sinn deines Lebens zu suchen!
- Wag es, deinen eigenen Lebensstil zu finden!
- Wag es, deine Augen aufzumachen!
- Wag es, deine Meinung zu vertreten!
- Wag es, den nächsten Schritt zu tun!
- Wag es, dein Leben aktiv zu gestalten!
- Wag es, dich für die Natur einzusetzen!
Die Frankfurter Erklärung Pfadfindersein ist eine Lebenseinstellung – durch Pfadfindersein prägen wir unser Leben.
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